Ursprünglich ist SOVI das Ergebnis einer Master-Abschlussarbeit und sollte auch eine theoretische Arbeit bleiben. Auf die Frage „Wie wäre es, ein Projekt daraus zu machen und das Ganze in die Realität umzusetzen?“ antwortete der Erstprüfer: „Lass es. Du wärst ein Goldfisch im Haifischbecken“.

Was folgte, war ein serpentinenartiger Weg durch die Gebirge des Unbekannten. Auf und nieder, vor und zurück, manchmal unerträglich lang aber niemals ohne enormen Zuspruch von außen. Heute bringen wir eine App auf den Markt, die das Potenzial hat, den Lebensmitteleinkauf zu revolutionieren.

Die Story hinter SOVI

Die Idee zu SOVI gibt es schon etwas länger. Als 2014 eine Innenarchitektur-Studentin in ihrer Abschlussarbeit einen inklusiven Wohnkomplex für unterschiedliche Zielgruppen plante, setzte sie sich intensiv mit verschiedenen Behinderungen auseinander, unter anderem mit Sehbehinderung und Blindheit.

Während der Recherche begegnete sie einer Frau, die sie sehr beeindruckt hat: Sie war blind, arbeitete als Lehrerin an einer Blindenschule und wohnte in einem wunderschönen Haus, das sie gemeinsam mit einem Architekten eigens für sich geplant hatte. Außerdem besaß sie ein Pferd, das sie auch im Gelände ritt – und das alles mit weniger als 2% Sehkraft! Als diese starke und selbständige Frau einst beiläufig erwähnte, dass sie niemals in ihrem Leben freiwillig und ohne Not einen Supermarkt betreten würde, wurde der Samen für das SOVI Projekt gesetzt.

Die Studentin war ich. Und nicht nur das: Gleichzeitig war ich Mutter eines Kleinkindes, das eines Tages auf dem Wohnzimmerteppich saß und mit TipToi spielte. Wer es nicht kennt: Ein orangefarbener Stift, der Ähnlichkeiten mit einer Karotte besitzt, liest Texte vor oder macht Tiergeräusche, wenn mit seiner Infrarot-Spitze auf Flächen getippt wird, die mit einem nahezu unsichtbaren Code versehen sind. Da mein Kind noch nicht lesen konnte, war dieses Spielzeug ein fantastischer Zeitvertreib – und in diesem Moment auch Inspirationsquelle für die Entstehung meines SOVI-Projektes: Wir brauchen das in Supermärkten! Eine Verpackung antippen und vorgelesen bekommen, was drin ist – so einfach müsste es sein.

Schieflage

Nach dem Bachelor-Abschluss im Bereich Innenarchitektur folgte der Master im Fachbereich Design und Medien – und hier konnte der Keim im Beet einer Masterthesis tatsächlich austreiben. Eine Problemanalyse ergab, dass bereits die grundlegende Voraussetzung für einen Lebensmitteleinkauf für blinde Menschen nicht gegeben ist: Der Zugang zu Informationen. Wir Menschen fliegen zum Mond, wir transplantieren Organe, schießen Gegenstände ins All, aber wir sorgen nicht dafür, dass alle Menschen in unserer Gesellschaft selbständig an grundlegende, im Zweifel überlebenswichtige Informationen gelangen.

Wir feiern uns für unsere Globalisierung und driften immer weiter auseinander. Wo früher die Familiensippe das soziale Netz gebildet und für jedes Mitglied einen Platz bereitgehalten hat, sind die einzelnen Haushalte heute immer kleiner, Menschen zunehmend für sich selbst verantwortlich, oft allein. Gleichzeitig haben wir es immer eiliger und unsere Ernährung verkompliziert sich mit wachsendem Angebot.

Nach dem Bachelor-Abschluss im Bereich Innenarchitektur folgte der Master im Fachbereich Design und Medien – und hier konnte der Keim im Beet einer Masterthesis tatsächlich austreiben. Eine Problemanalyse ergab, dass bereits die grundlegende Voraussetzung für einen Lebensmitteleinkauf für blinde Menschen nicht gegeben ist: Der Zugang zu Informationen. Wir Menschen fliegen zum Mond, wir transplantieren Organe, schießen Gegenstände ins All, aber wir sorgen nicht dafür, dass alle Menschen in unserer Gesellschaft selbständig an grundlegende, im Zweifel überlebenswichtige Informationen gelangen.Die ursprüngliche Idee, Verpackungen flächendeckend mit einem unsichtbaren Code zu versehen und dann mit einem entsprechenden Gerät auszulesen, um anschließend alle aufgedruckten Informationen in auditiver Form zu bekommen, erhielt 2015 überraschend einen Newcomer Innovationspreis.

Wir feiern uns für unsere Globalisierung und driften immer weiter auseinander. Wo früher die Familiensippe das soziale Netz gebildet und für jedes Mitglied einen Platz bereitgehalten hat, sind die einzelnen Haushalte heute immer kleiner, Menschen zunehmend für sich selbst verantwortlich, oft allein. Gleichzeitig haben wir es immer eiliger und unsere Ernährung verkompliziert sich mit wachsendem Angebot.

Später folgte der Zusammenschluss mehrerer Menschen, die aus dem Bereich IT-Entwicklung, Wirtschaft, aus der Verpackungs- und der Lebensmittelindustrie und einigen anderen Bereichen stammten. Ich begegnete mit SOVI vielen Unterstützern ohne die das Projekt an verschiedenen Stellen gescheitert wäre, erfuhr aber auch eine Menge Gegenwind. So wurde ein Exist-Förderstipendium mit vernichtender Beurteilung abgewiesen, Wirtschaftsförderer redeten viel aber förderten nicht und das Projekt zog sich nicht zuletzt aufgrund fehlender finanzieller Unterstützung in die Länge. Auch hieß es, die Zielgruppe „blinde Menschen“ sei zu klein für ein rentables Projekt, gleichzeitig galt die Zielgruppe „alle Menschen die essen und trinken müssen“ als lächerlich groß. Sich als einstige Innenarchitektur-Studentin durch das Gebirge aus Wirtschaft, Recht, Technik, Lebensmittel und Soziologie zu schlagen bedeutete enorm viel Mühe und Zeit.

All die Rückschläge konnten jedoch eines nicht bewirken: Ein Aufgeben. Immer wieder kreuzten Menschen den Weg, die SOVI in den Bann zog und die teilweise bis heute ein Teil des Projekts sind.